„Bōsōzoku. Jugendgangs in Japan zwischen Selbstbehauptung und Gewalt“

Symbolbild zum Artikel. Der Link öffnet das Bild in einer großen Anzeige.

Gastvortrag von Andreas Riessland

Nanzan University

Seit den 1960er Jahren versuchen Japans Polizei- und Justizbehörden, die als bōsōzoku bekannten motorisierten Jugendgangs in den Griff zu bekommen, die mit ihren nächtlichen Provokationen auf Japans Straßen Angst und hilflose Wut verbreiten. Mit unserem Bild einer Motorradgang haben bōsōzoku nichts gemein, sie haben in allen ihren Merkmalen eine ganz eigene, unverwechselbare Formensprache entwickelt, die sie vom weltweit verbreiteten Muster des Rockers amerikanischen Zuschnitts grundsätzlich unterscheidet und die auch in den Nachbarländern Japans so gut wie keine Nachahmer gefunden hat. Dieser Vortrag widmet sich der bōsōzoku-Subkultur auf ihrem langen und oft von Gewalt begleiteten Weg, von ihrer explosiven Entwicklung aus der Freizeitkultur der Nachkriegszeit heraus bis zu den letzten spärlichen Manifestationen auf Japans heutigen Straßen. Er wirft ein Licht auf die charakteristischen Merkmale dieser Kultur und ihrer Vertreter, und auf ihre verschiedenen Funktionen in der japanischen Gesellschaft, zwischen selbstbestimmten Entwurf jugendlicher Identitätsstiftung, willkommenem Topos einer sensationshungrigen Medienlandschaft und Projektionsfläche bürgerlicher Ängste und Feindbilder.

Andreas Riessland ist am Deutschen Institut der Nanzan-Universität in Nagoya beschäftigt. Als Japanologe und Ethnologe setzt er sich u. a. mit der Peripherie der japanischen Gegenwartsgesellschaft auseinander, zu der auch die Jugendkultur im Mittelpunkt dieses Vortrags gehört.

Termin: Montag, 6. Februar 2017, 12.15 Uhr
Ort: Paul-Gordan-Straße 3-5, 91052 Erlangen (Raum 00.029)